3 Kinder spielen mit Fingerfarben

Eine besondere Hilfe für 400 Kinder

RP

Ein Bericht aus der Rheinischen Post vom 16.11.2012:

Eine besondere Hilfe für 400 Kinder

VON ANJA SETTNIK


Kevelaer (RP). Die Frühförderstelle des Kreises Kleve hat zwei Standorte: Kevelaer und Kleve. An beiden Adressen werden Kinder mit Entwicklungsstörungen vom Babyalter bis zur Einschulung unterstützt.

In der Frühförderstelle des Kreises Kleve in Kevelaer beschäftigen sich Simone Elbers und die Leiterin der Frühförderstelle, Doris Daniels (Mitte), mit Kimberly und Johnny. Foto: Wensierski, Siegfried

In der Frühförderstelle des Kreises Kleve in Kevelaer beschäftigen sich Simone Elbers und die Leiterin der Frühförderstelle, Doris Daniels (Mitte), mit Kimberly und Johnny. Foto: Wensierski, Siegfried

Behinderte oder in ihrer Entwicklung verzögerte Kinder in den Blick nehmen, wie es die vielzitierte Inklusion verlangt – das ist für die Frühförderstelle Kevelaer Alltag. Doris Daniels und ihr Team betreuen und unterstützen pro Jahr etwa 400 Kinder aus dem gesamten Kreis. Der Norden wird durch die Niederlassung in Kleve abgedeckt, die gerade innerhalb des Stadtgebiets umgezogen ist und ihre Arbeit aufgenommen hat. Für die Hauptstelle in Kevelaer ändert sich dadurch nichts – wie bisher wird dort das gesamte Spektrum frühkindlicher Förderung abgedeckt.

Doris Daniels blickt mit gemischten Gefühlen in Richtung Inklusion. "Der Anspruch, ,es ist normal, anders zu sein', ist von vielen noch nicht verstanden. Es geht nicht darum, Kinder in eine bestehende Gruppe zu integrieren, sondern zu verstehen, dass alle zusammengehören." Entsprechend werden künftig mehr gehandicapte Kinder ganz normale Gruppen in Regelkindergärten besuchen. "Wir gehen davon aus, dass wir dann auch in die Kitas gehen und mit den Kleinen dort arbeiten", sagt Doris Daniels. Wegen der langen Tage, die die meisten Jungen und Mädchen heute in den Einrichtungen verbringen, bleibe nämlich kaum Zeit für nachmittägliche Therapiestunden. "Außerdem sind viele Eltern berufstätig und können ihre Kinder gar nicht zu uns bringen." Vom Babyalter bis zur Einschulung reicht die Zeitspanne, mit der sich die 40 Mitarbeiter der Frühförderstelle beschäftigen. Heil-, Ergo, und Physiotherapeuten, Logopäden, Psychologen und Kinderärzte gehören zum Team. Letztere kommen für die Entwicklungsuntersuchungen ins Haus und diskutieren einmal in der Woche mit den Therapeuten die aktuellen "Fälle".

Daniels sorgt sich auch wegen der Knappheit an Kinderärzten im Kreis. Einige Pädiater in der Umgebung gehen demnächst in den Ruhestand und finden keinen Nachfolger. Ins ländliche Kleverland zu kommen erscheint jungen Ärzten unattraktiv. "Eine Einbindung als Kooperationsarzt in der Frühförderung ist aber nur für Kinderärzte möglich. Sollten die Kinder zunehmend von Allgemeinmedizinern versorgt werden, müsste die Frühförderstelle ihr Kooperationsmodell kippen. Denn nur ausgebildete Pädiater dürfen mitwirken." Das ergibt sich aus der Finanzierung: Kreissozialamt und Krankenkassen teilen sich die Kosten. "Über die Anwendungen hinaus, die die Kinder hier bekommen, dürfen die Hausärzte ihren kleinen Patienten keine Therapien mehr aufschreiben", erklärt die Fachfrau. Um so wichtiger ist es, dass die Frühförderstelle mit ihrem umfassenden Angebot in gleicher Weise wie bisher fortbestehen und arbeiten kann.


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