3 Kinder spielen mit Fingerfarben

Eröffnung der Nebenstelle Kleve

Eröffnung der Nebenstelle Kleve

Bericht in der NRZ
Bericht in der NRZ vom 28.09.2012. Hier der Originalbericht>>
Von Astrid Hoyer-Holderberg.

Keine Kinder-Reparaturwerkstatt

„Frühförderstelle“ des Kreises bezog eigenes Haus. Mit 600 Quadratmetern Platz und allen Hilfen unter einem Dach. Morgen Tag der offenen Tür

Kreis Kleve.

„Wir reparieren keine Kinder. Man gibt sie nicht hier in der Werkstatt ab und bekommt ein fertiges Kind zurück“, stellt Doris Daniels klar. Aber die „Frühförderstelle“ des Kreises unterstützt Säuglinge und Kleinkinder mit mehrfachem Förderbedarf und ihre Eltern. Vom Frühchen bis zur Einschulung. In Kleve haben sie jetzt ein schönes eigenes Haus bezogen. Am Samstag, 29. September, kann sich jedermann dort am Tag der offenen Tür von 15 bis 18 Uhr umsehen.

Mit zwei Fachkräften fing’s vor 30 Jahren an, 40 sind’s heute, die sich um 400 Kinder im Kreis kümmern – in Kevelaer und Kleve.

In den Räumen am Leitgraben 8 in Kellen gibt’s medizinische, pädagogische, psychologische und soziale Hilfen – abgestimmt je nach Kind. Entwicklungsauffälligkeiten können viele Ursachen haben. „Eltern sind verunsichert, wenn ihnen mitgeteilt wird, dass ihr Kind entwicklungsverzögert ist“, weiß Doris Daniels. Nicht jeder Bedarf ist für Laien gleich erkennbar, er entpuppt sich erst nach ausführlicher Diagnose: Und für die lässt sich die Frühförderstelle Zeit. Bei acht Terminen beobachten Logopäden, Ergotherapeuten, Heilpädagogen und andere geschulte Fachkräfte das Verhalten der Kids bei Sport, Sprechen und das Sozialverhalten beim Spiel. Hat das Kind nur eine Förderung nötig, wird es an Einzel-Therapeuten vor Ort überwiesen. Nur bei Mehrfach-Förderbedarf bleibt es Kunde am Leitgraben.

Förderplan

Dann wird ein Förder- und Behandlungsplan aufgestellt, damit das Kind ganzheitlich gefördert wird. Im Idealfall kann es Entwicklungsverzögerungen aufholen und sich besser in die Gemeinschaft integrieren.

So können Babys besser saugen, schlucken, atmen lernen (Castillo Morales-Therapie), oder auf besonderen Therapieliegen Bewegungsabläufe üben (Vojta-Therapie).

Das neue Haus gibt für jeden Bedarf viel Raum. Ruhig geht es hinter den Türen mit Schmetterling und Marienkäfer-Motiv zu. Bei Dackel und Igel gibt’s mehr Action – nämlich Puppenhaus für Rollenspiele, auch mal Kleingruppen-Spiele in der echten kleinen Küche. Die meisten Räume sind reiz-arm eingerichtet, Lehrmaterial steckt im Schrank, ein Spiegel ist hinter Klapp-Flügeln versteckt, damit jedes Ding nur dann genutzt wird, wenn es Sinn macht und nicht ablenkt. Mehr los ist im Werkraum, da locken Säge, Ton und Kleister.

Wenn der vierjährige Marvin durch die Tür mit Elefanten- oder Löwen-Motiv geht, untersucht er erstmal, wie ein Krabbeltunnel funktioniert, ob sich der Deckel von der Kirschkern-Wanne öffnen lässt (in die legen sich die Kinder hinein, um mehr von ihrem Körper zu spüren). Es ist Geduldsarbeit Marvin zu motivieren, über die schmale Bank zum 3,50-Meter-Hüpfkissen zu balancieren.

Vorbei sind die Zeiten, da Eltern mit mehrfach förderbedürftigen Kindern Praxen in drei Städten aufsuchen mussten. Das gesamte Hilfsangebot will das Sozialgesetzbuch als „Komplexleistung“ im Sinne von Paragraph 30 und 56. Bezahlt von Krankenkassen und Kreis-Sozialamt für ein ganzes Jahr (der Kreis Kleve stellt jährlich 600?000 Euro zur Verfügung).

Landesweit einmalig

„Jedes Kind entwickelt sich anders, da kann man nicht nach zehn mal Krankengymnastik aufhören,“ erklärt Daniels.

In der Regel haben Kinderärzte die kleinen Klienten überwiesen. Landesweit einmalig in Kleve: Ein mal wöchentlich sitzen die Kinderärzte bei der Frühförderstelle mit am Tisch in der Teambesprechung. So behalten sie den aktuellen Stand des Kindes im Blick.

Im neuen Haus stehen dem Team über 600 Quadratmeter zur Verfügung. Eine hohe sechsstellige Summe floss dafür von der „Stiftung Wohlfahrtspflege“ und ein großer Zuschuss von der „Aktion Mensch“.

 

 

 

 

 

 

 

 

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